Gedanken zur Jahreslosung 2012
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. Januar 2012 um 00:18 Uhr
Liebe Leserinnen und Leser!
Am aufregendsten erlebe ich die Bibel wenn sie etwas anderes behauptet als es mir sonst bekannt ist und vertraut klingt. Also nicht, was alle auch wissen und sagen, sondern was entgegen unserer alltäglichen Vorstellungen und Maßstäbe ist, das fordert mich heraus, darüber nachzudenken und zu entscheiden, ob es auch richtig und wichtig ist.
Die Beschäftigung mit der Jahreslosung 2012 wurde mir zu solch einem aufregenden Vorgang. In ihr wird etwas behauptet, das ganz zentral christlich ist und doch so ganz anders in der Welt und in der Kirche gesehen wird. In ihr wird ein „Loblied der Schwachheit“ gesungen, das so ganz anders klingt als die gängige Verehrung von Stärke, Kraft, Leistungsfähigkeit, Vitalität… Der Apostel Paulus will über seine Person nur eines rühmen: seine Schwachheit. Dies tut er allerdings aus einem sehr guten und sehr präzisen Grund: damit in seiner Schwachheit die Kraft Christi umfänglich zur Wirkung kommt.
Paulus schreibt: Und Gott ließ mich wissen: „Lass dir meine Zuneigung genug sein. Gerade in den Schwachen lebt meine volle Kraft.“ Am allerliebsten will ich mich also meiner Hinfälligkeit rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Deshalb sage ich Ja zu den Krankheiten, den Ungerechtigkeiten, den Notlagen, den Verfolgungen und Ängsten, da es im Glauben an Christus geschieht. Denn wenn ich schwach bin, so habe ich Kraft. (2. Korinther 12, 9+10)
Warum ist unsere Kirche so zunehmend belang- und bedeutungslos? Warum unsere Gemeinde so wirkungsarm? Warum unser persönlicher Glaube so farb- und leblos? Vielleicht – weil wir zu stark sind für das Angewiesensein auf die Kraft Christi? Zu gut für die Bedürftigkeit der Hilfe eines anderen? Zu fit für die Abhängigkeit von Gottes Wirken?„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Von diesen haben wir doch eine große Zahl um uns herum. Nehmen wir sie als Gottes Geschenk an uns in Empfang und erleben mit ihnen, wo Gottes Kraft sich in Vollendung entfaltet. Diesen Blick und diesen Umgang lohnt es gewisslich ein ganzes Jahr lang einzuüben.
Alles Gute und insbesondere Gottes helfende Kraft im neuen Kirchen- und Kalenderjahr wünscht Ihnen aus ganzem Herzen
Ihr Pfarrer Dieter Habel
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